Schülerarbeitsgemeinschaften:
Ha'Rimon mit Matti Goldschmidt auf Burg Ludwigsstein

 
   
 
 

Im Januar 2001 Jahr besuchte uns auf unserer traditionellen Tanzreise zur Burg Ludwigstein der bekannte Tanzlehrer Matti Goldschmidt aus München. Er schrieb folgenden Artikel über seine Eindrücke von "Ha´Rimon" für die bundesweit erscheinende Fach-Zeitschrift "tanzen".

 

Berlin-Steglitz, Mittwoch, 17. Januar 2001, 10:00 h:
Vor der Kopernikus-Oberschule versammeln sich 23 Schüler, gemeinsam mit einem Lehrer und einer Betreuerin. Statt des gewohnten Unterrichts dürfen die Schüler unter großem Halli und Hallo den bereitstehenden Bus besteigen, Ziel: Die Burg Ludwigstein nahe Göttingen. Für die 18 Mädchen und 5 Burschen (7. - 10. Klasse) sollen die nächsten 10 Tage weniger aus mathematischen Gleichungen oder englischer Grammatik bestehen, vielmehr dient der Aufenthalt im Jugendherbergsstil dem aktiven Einstudieren eines folkloristischen Tanzprogammes, begleitet von Freizeitaktivitäten wie Schwimmen im hauseigenen Schwimmbecken oder kürzeren Wanderungen. Saubere Schlafräume, wohlschmeckende und quantitativ ausreichende Mahlzeiten sowie ein zum Tanzen geeigneter großer Saal machen die Burg, gegründet 1415 als landgräflich-hessischer Amtssitz und heute von der Vereinigung Jugendburg Ludwigstein e.V. verwaltet, für derartige Schülerprojekte besonders geeignet. Ein umfangreiches Archiv zur deutschen Jugendbewegung macht auch aus wissenschaftlicher Sicht einen Aufenthalt auf der Burg lohnenswert.

Geleitet wird die Tanzgruppe mit dem Namen "Ha'Rimon" (hebr. für "Granatapfel") an der Kopernikus-Gesamtschule vom Musikpädagogen Nicolai Orschmann (45 Jahre, verheiratet, 4 Kinder). Für ihn gilt seit Beginn seiner Unterrichtstätigkeit das aktive Tanzen internationaler Folkloretänze als Prämisse einer erfolgreichen handlungsorientierten Musikdidaktik:

  • So kommt das Tanzen gerade an einer Ganztagsschule den natürlichen motorischen Bedürfnissen der jugendlichen Schülern entgegen;
  • Tanzen schult die Bewegungskoordination, das Körperbewusstsein und die Konzentration im Allgemeinen;
  • Tanzen fördert die musikalischen und rhythmischen Fähigkeiten und schafft überdies
    ein positives Klima zwischen den Schülern untereinander, resultierend in einem Gruppenerlebnis, das die jeweiligen sozialen Kompetenzen des einzelnen Schülers erweitert;
  • nicht zuletzt werden durch das Tanzen neben der Musik auch Einblicke in Lebensweisen und Traditionen anderer, zumeist fremder Kulturkreise geboten, die es kennenzulernen und zu respektieren gilt und ausländerfeindlichem bzw. nationalistischem, d.h. überzogen nationalem Gedankengut entgegenwirken soll.
 
 

Ha'Rimon auf Burg Luwigsstein im Janaur 2001
 
 

Die alljährliche Fahrt zur Burg Ludwigstein hat schon Tradition: Seit 1991 ist es bereits die elfte Exkursion, deren Erfolg sich insbesondere an den positiven Ergebnissen der tänzerischen Qualität sowie an dem sozialen Zusammenhalt der Gruppe messen lässt. Dieses Resultat entspricht dem pädagogischen Konzept der Schule, die gezielt einen ihrer Schwerpunkte in den Bereich "Musik/Tanz" legt. Mit insgesamt fünf Musiklehrern gibt es zumindest an der Kopernikus-Oberschule keine Kürzungen im Unterrichtsfach "Musik", vielmehr werden durch weitere Arbeitsgruppen (AGen) wie Jazztanz, Musikband oder Chor ein breites musisches Spektrum abgesteckt, auf rein freiwilliger Beteiligung basierend. Überdies ist die Kopernikus-Oberschule eine der ganz wenigen Schulen Berlins, die gleich zwei aktive Tanz-AGen mit einer angemessenen Anzahl von Schülern vorweisen kann (jeweils über 20).

Konkretes Ziel der Fahrt ist es, die Neuzugänge aus den 7. Klassen, insgesamt 10 der 23 Schüler, als Anfängergruppe in die sog. Fortgeschrittenengruppe zu integrieren, so dass daraus eine Gesamtgruppe "Ha´Rimon" entstehe. Diese Gruppe hat Tradition: Seit 1990 nimmt sie regelmäßig und mit großem Erfolg an den Musischen Wochen der Berliner Schulen teil. Im Jahre 1995 gewann die Gruppe, den 1. Preis in dem vom Berliner Senat ausgeschriebenen Tanzwettbewerb "Israelische Tänze".

Während des zehntägigen Jugendherbergaufenthaltes waren folgende Tanzinhalte zum Ziele gesetzt:

  • die Erarbeitung eines Tanzprogrammes für die Veranstaltung "Tanz in der Schule - Tänze aus aller Welt" im Rahmen der (Berliner) Musischen Wochen,
  • Tanzarrangements und Choreographien für einen selbstgestalteten Tanzabend an der Kopernikus-Oberschule unter dem Titel "folklorissimo", und
  • die Ausarbeitung einer Choreographie mit Beispielcharakter für die Veranstaltung "Tanz in der Schule - offene und gebundene Form" im Kammermusiksaal der Philharmonie im Rahmen der (Berliner) Musischen Wochen.

So werden die Schüler gleich dreimal täglich gefordert, die gesetzten Ziele mit täglich fünf Stunden Tanz umzusetzen, und zwar vormittags von 9:00 - 11:30 h (inkl. eines Aufwärme- und Lockerungprogrammes, geleitet von Daniela Schoepe, der zweiten Aufsichtsperson), nachmittags von 17:00 - 18:00 h und abends 19:00 - 20:30 h. Dadurch bleibt genügend Zeit für nicht-tänzerische Aktivitäten wie z.B. ein großes Geländespiel, ein von den Jugendlichen selbst organisierter Discoabend oder den selbstgestalteten Aufführungen von vier ad hoc gebildeten Theatergruppen. Neben Spaß und Freude wird allerdings Disziplin groß geschrieben: Seien es die "Licht-aus"-Parole um 22:00 h oder die Pünktlichkeit zu den Mahlzeiten und den einzelnen Programmpflichtpunkten. Übertretungen werden mit Tischdienst (Saubermachen im Speisesaal) oder im Einzelfall auch mit härteren Disziplinarmaßnahmen geahndet.

Wie werden nun neue Schüler für die Tanzgruppe gewonnen? Zu Beginn eines jeden Schuljahres wirbt der jeweilige AG-Leiter für seine eigene AG. Nun mag sich herumgesprochen haben, dass man als Mitglied von Ha'Rimon eben auch zur Teilnahme an der (alljährlichen) acht- bis zehntägigen Schülerfahrt berechtigt sei, aber - so versichern fast alle diesjährigen Mitglieder von Ha'Rimon in einem Gruppengespräch - letztlich sei das nicht ausschlaggebend. Es reize vielmehr die Gemeinschaft und die Freude an der körperlichen Bewegung. Schließlich müsse man mindestens ein halbes Jahr durchhalten, bis die Fahrt dann auch stattfände! Und es gäbe, so Herr Orschmann, praktisch keinen Fall, in dem ein Teilnehmer unmittelbar nach Beendigung der Schülerfahrt die Gruppe verlassen habe. Ganz im Gegenteil, die Erfahrung zeige, dass die meisten Teilnehmer aus den 7. Klassen auch in späteren Schuljahren der Gruppe die Treue halte. Allerdings wird den Schülern ein Austritt während des Schuljahres generell auch "nicht leicht gemacht", er müsse vielmehr schon eingehend begründen, warum er die AG gerade zu diesem oder jenem Zeitpunkt verlassen wolle. Erst ab der 11. Klasse, soweit die Gruppenmitglieder die Schule weiter besuchen, ist ein vermehrter Abgang zu verzeichnen, begründet zum einen durch höheren Leistungsdruck in der Schule, zum anderen durch altersbedingt neugelagerte Interessen.

Während viele Schüler die Kopernikus-Oberschule einfach deshalb besuchen, weil sie in der Nähe ihres jeweiligen Wohnsitzes ist, wählen manche diese Schule ganz gezielt aufgrund ihres vielseitigen musischen Angebotes. So hat z.B. Randi, 12, erst kürzlich aus Bielefeld zugezogen, von einem Mädchen aus der Nachbarschaft über die AG Folkloretanz alias Ha'Rimon gehört und sich deshalb für genau diese Schule beworben; nun besucht sie nicht nur mit Begeisterung diese AG, sondern auch die AGen Jazztanz und Chor, das alles neben dem Wahlpflichtkurs Musik, wobei sie "in jeder Hinsicht von den Eltern unterstützt" wird. "Begeistert" seien ebenfalls, lt. den Angaben von Raimund, 1