Schülerarbeitsgemeinschaften:
Ha'Rimon in Moskau 1994 - Berichte von ...

 
   
 
 

Manuela - Kerstin - Sandra - Oliver - Anke - Nicole


Manuela

Ich wurde von meiner Pflegefamilie gut empfangen. Sie gaben mir ihr Schlafzimmer, das rosa geschmückt war, und räumten sogar extra einen Schrank aus, damit ich dort meine Sachen reinlegen konnte.

Mich beeindruckte, daß die nur am essen waren. Ich brauchte nur ein halbe Stunde einen Spaziergang machen, und schon wurde ich wieder vollgestopf. Das Essen hatte immer vier Gänge, als erstes die Suppe, Hühnchen mit Bratkartoffeln, Nachtisch und dann Kekse oder Kuchen mit Tee. Wenn man nicht mehr essen konnte, guckten sie einen mit einem Hundeblick an, so daß man es wohl oder übel essen mußte.

Wir besuchten auch eine Moskauer Tanzgruppe, die wundervoll tanzte. Ich war mehr als begeistert von der Tanzgruppe, die eine hervorrangende Austrahlung hatten. Man merkte, daß die zwei Stunden am Tag übten, weil sie eine lange Ausdauer und viel Kraft in den Beinen hatten.

Die Unterrichtsstunden bei denen sind besser als bei uns, sie lassen die Lehrer wenigstens aussprechen.

Ich fand die Reise ganz toll und sehr interessant.

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Kerstin

Kurz bevor ich meiner Familie vorgestellt worden bin, hatte ich ein kribbeln im Bauch: wie wird meine Familie sein, wie werden sie ausehen? Dann wurde ich ihnen vorgestellt und wir sind zu meiner Familie nach Hause gegangen. Ich mußte in den ersten Stock mit dem Fahrstuhl fahren, und dabei hasse ich doch Fahrstühle. Ich habe das Zimmer von Victoria bekommen, sie und ihre Mutter haben im Wohnzimmer geschlafen, das war mir irgendwie unangenehm. Das Zimmer war voller Ikonen. Victoria und ihre Mutter konnten kein Deutsch und nur wenig Dnglisch. Wir haben uns mit Händen und Füßen unterhalten und mit einem Wörterbuch.

Dann haben wir gegessen, es gab drei Gänge: Suppe, Nudeln und dann eine Tasse Tee mit Keksen und Kuchen.

Am schönsten fand ich die Zwiebeltürme, sie sind schön bunt und vergoldet.

So schöne und viele Kirchen und Klöster habe ich noch nie gesehen.

Wir sind Lenin im Mausoleum besuchen gegangen, er glänzte wie eine Speckschwarte.

Am Abend sind wir dann in den Staatszirkus gegangen. Es war alles wundervoll, außer, daß sie einen Bären in ein Schnur beißen lassen und das arme Tier dann von einer Seite bis zur anderen Seite geflogen ist.

Vor der Abfahrt haben Victoria, ihre Mutter und ich im Flur eine Schweigeminute gemacht, damit ich gut nach Hause komme, es ist dort eine Tradition. Als der Bus dann abgefahren ist, mußten Manuela und ich anfangen zu weinen. Wir haben unsere Familien richtig ins Herz geschlossen.

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Sandra

Heute haben wir mit unseren russischen Schülern ihren Unterricht besucht. Dabei ist mir aufgefallen, daß der russische Unterricht viel strenger ist als unser hier in Deutschland. Ich denke, daß der Unterricht deshalb viel disziplinierter abläuft, weil die Schüler mehr Respekt vor ihren Lehrern haben.

Wir sind mit dem Bus erst einmal durch Moskau zum Roten Platz und zum Kaufhaus GUM gefahren. Aber irgendwie sah das alles in Wirklichkeit ganz anders aus als im Fernsehen.

Als wir endlich ankamen, mußten wir noch etwa zehn Minuten auf eine Führerin warten. Zum Glück sprach die Frau Deutsch.

Wir haben auch andere Holzhäuser gesehen, die total süß verziert waren, die Verkleidung wurde handgeschnitzt. Außerdem waren sie noch bunt bemalt. Ich finde, sie sahen wie kleine Hexenhäuschen aus.

Es ist etwas ganz anderes, in Moskau mit der U-Bahn zu fahren als in Berlin. Man muß sich mit dem Ein- und Aussteigen sehr beeilen, da in einer Minute die nächste U-Bahn kommt. Außerdem drängen sich die Menschen in der U-Bahn dermaßen, daß man denkt, man wird zerqutscht.

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Oliver

Als wir gegen 14.30 Uhr auf den Moskauer Flughafen ankamen und austiegen, sah ich als erstes überall verteilt Polizisten. Sie guckten einen ziemlich grimmig an. Später saßen wir im Bus, um zur Schule zu fahren. Dabei fiel mir auf, daß die Stadt eigentlich ziemlich dreckig ist. An der Schule wurden wir sehr, sehr freundlich aufgenommen. Ich ging dann mit meiner Gastfamilie nach Hause. Dort war es sehr schön, und mein Zimmer war das Wohnzimmer, übrigens das größte Zimmer der Wohnung. Das fand ich richtig gut. Und kaum angekommen stand auch schon das Essen auf dem Tisch, so viel, daß man es gar nicht alles schaffen konnte. Die Familie war sehr freundlich, wir verstanden uns zwar kaum, aber irgendwie kriegten wir das dann doch noch hin.

Zum Frühstück gab es Bratkartoffeln mit Hähnchen. Dies fand ich reichlich merkwürdig, aber ich aß es trotzdem. Und dann hat die Mutter mir noch Cola, Tee und einen roten Saft hingestellt, sowie Kuchen, Kekse, Bobons. Doch alles außer dem Tee, lehnte ich ab, denn das war doch zu viel.

Nun sind wir in der Schule im Unterricht. Die Lehrerin, eine sehr nette, kleine ältere Dame, unterrichtete gerade Mathe. Sie erklärte und hatte dabei immer ein kleines Lächeln auf den Lippen. Auf, daß die Tische sehr eng hintereinander standen und daß man gerade mal Platz hatte, um überhaupt sitzen zu können. Die Schüler - 21 - schrieben immer fleißig mit, ohne zu stöhnen, und es wurde kaum untereinander gequatscht. Irgendwie war ich froh, als die Stunde zu Ende war. Denn dieses Thema behandeln wir auch.

Abends haben die uns gegenseitig besucht. Ich war bei Nicole. Der Großvater konnter Deutsch sprechen. Dies war richtig toll, denn nun konnte ich mich mal wieder richtig unterhalten, über Berlin, das Schulsystem in Rußland u.s.w. Bewunderswert fand ich seine geschnitzten Figuren, so um die sechzig Stück, und seine gemalten Bilder. Er erzählte mir, daß er die "nur" als Hobby mache. Ich fand das sehr gut, daß er so etwas macht, und der Großvater selbst war auch sehr stolz darauf.

Abends fand ich wieder ein Familientreffen statt, diesmal besuchte mich Nicole. Ihr Großvater war auch dabei, und beim Abendbrot (es gab Bratkartoffeln mit Würstchen) erzählte er meiner Familie alles, was wir schon am Abend vorher erzählt hatten. Nun erfuhr die Familie viel mehr über mich, und ich hatte das Gefühl, daß sie das sehr beglückte.

Heute sind wir mit der Metro zum Kreml gefahren. Die U-Bahnhöfe waren richtige Kunstwerke, einer schöner als die andere, und sie waren richtig schön groß. Die Züge hier fahren alle 1 ½ Minuten, fast nie hat einer Verspätung oder ist gar ausgefallen. Alles läuft hier praktisch wie am Fließband: die Metro fährt an, die Leute steigen ein und aus, wobei es einen Riesengedrängel gibt, und nach fünf Sekunden fährt die Metro wieder los. Das alles fand ich sehr beeindruckend, bei uns in Berlin klappt das noch nicht mal im 3-Minuten-Takt. Und mir fiel auf, daß die Bahnhöfe sehr weit auseinander entfernt liegen, die Metro fuhr etwa drei bis vier Minuten von einem Bahnhof zum anderen.

Dann waren wir im Kreml. Zuerst mußten wir durch eine Kontrolle hindurch. Mir fiel auf, daß auf den Straßen überall Polizisten verteilt waren, und wenn irgendwer nicht über den Zebrastreifen ging, oder gar auf der Straße stand wurde er mit der Pfeife zurechtgewiesen.

Später besichtigten wir Lenin im Mausoleum. Bevor wir dort hineingingen, mußten wir uns zu zweit in einer Reihe aufstellen und ganz still sein. Dann gingen wir hinein. Ich dachte, daß er jeden Moment aufstehen würde. Andererseits sah er aus wie eine Puppe.

Das Tanzensemble war so toll, ich war richtig platt. Alle Bewegungen und Schritte sahen gleich aus, fast wie Roboter.

Nun war Familientag. Nicole, Diana, Stefan und ich trafen uns mit den Familien an der Metro. Von dort aus sind wir in einen Park gegangen. Irgendwo im Park war eine große, freie Fläche, wo wir uns hingesetzten. Die Erwachsenen sind weitergegangen und sagten, daß sie uns abholen kommen. Während die Erwachsenen weg waren, haben wir Fußball und Federball gespielt. Plötzlich tauchten Fabian und Benjamin auf, dann Christian und zum Schluß Sascha. Die Erwachsenen kamen langsam zurück, während wir Jungs gegen die Russen spielten. Später sind wir alle zu einem See gewandert, um den wir herumspazierten und langsam wieder zur Metro zurückschlenderten. Dort lösten sich die Gruppen dann allmählich auf. Ich bin wieder zu Nicole gegangen. Dort gab es dann Abendbrot. Währenddessen übersetzte uns der Opa einen Spielfilm. Ich fand das ganz schön langweilig, aber ich konnte ja nicht sagen, daß der Film mir nicht gefällt. Und so verging langsam der Abend. Um 23.00 Uhr war ich dann wieder "zu Hause".

Das Puschkin-Museum war für mich das langweiligste Museum von Moskau, das ich bisher gesehen hatte.

Wir hatten eine sehr, sehr schöne Zeit in Moskau, und trotzdem war ich froh, als wir in Berlin ankamen. Alle wurden von ihren Eltern empfangen, und jeder freute sich. Dann sagten wir unter einander "Tschüß", und dann ging es endlich ab nach Hause.

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Anke

Ich konnter mir gar nicht vorstellen, daß es heute nach Moskau gehen sollte. Und dann war es noch mein erster Flug. Wir machten alle so unsere Witze, von wegen Abstürzen und so. Als ich die Maschine sah, dachte ich mir meinen Teil. Sie war doch sicher in Moskau angekommen.

In der Wohnung haben sie mir erstmal neue Hausschuhe in die Handgedrückt. Dann haben sie mir mein Zimmer gezeigt. Ich war erstaunt, denn ich hatte das größte Zimmer in der Wohnung bekommen. Anschließend gab es Essen. Bei mir gab es vier Durchgänge. Anschließend war ich so voll, man hätte mich mit Essen jagen können.

Und dann war es soweit. Meine erste Nacht bei der Gastfamilie. Irina, mein Gastmädchen, hat mir, kaum daß wir zu Hause waren, ihre ganze Lebensgeschichte erzählt. So gegen 0.45 Uhr gingen wir schlafen.